Andacht Sonntag 14.06.20

(Alle Liednummern beziehen sich auf das Gotteslob Ausgabe für die Nordbistümer Hamburg, Osnabrück und Hildesheim)

Lied: 143,1+2

Kreuzzeichen

Einleitung:

Wir bringen unsere vergangene Woche vor Gott – mit all ihren Höhen und Tiefen. Was hat uns bewegt, was war wichtig. Was möchten wir heute ins Gebet nehmen und wen möchten wir heute mit ins Gebet nehmen. So rufen wir zu Gott:

Kyrie: 154

Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er nehme von uns Sünde und Schuld. Er schenke unseren Herzen Frieden und führe unseren Lebensweg zum ewigen Leben. Amen

Gloria: 411

Gebet:

Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft,

ohne dich vermögen wir nichts.

Steh uns mit deiner Gnade bei,
damit wir denken, reden und tun was dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Buch Lesung aus dem Buch Exodus.

In jenen Tagen kamen die Israeliten in die Wüste Sinai. Sie schlugen in der Wüste das Lager auf. Dort lagerte Israel gegenüber dem Berg. Mose stieg zu Gott hinauf.

Da rief ihm der Herr vom Berg her zu:

Das sollst du dem Haus Jakob sagen und den Israeliten verkünden: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und zu mir gebracht habe. Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.

Wort des lebendigen Gottes

Antwortgesang: 491,3

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.

Schwestern und Brüder!

Christus ist, als wir noch schwach waren, für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht
vor dem Zorn gerettet werden. Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind,
gerettet werden durch sein Leben. Mehr noch, ebenso rühmen wir uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.

Wort des lebendigen Gottes

Halleluja: 454

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte,
Arbeiter für seine Ernte auszusenden!

Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.

Die Namen der zwölf Apostel sind:

an erster Stelle Simon, genannt Petrus,
und sein Bruder Andreas,
dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus,
und sein Bruder Johannes,
Philíppus und Bartholomäus,
Thomas und Matthäus, der Zöllner,
Jakobus, der Sohn des Alphäus,
und Thaddäus,
Simon Kananäus und Judas Iskáriot,
der ihn ausgeliefert hat.

Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samaríter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gesprächsanregungen:

  1. In der ersten Lesung aus dem Buch Exodus hören wir von der besonderen Erwählung Israels. Dabei geht es nicht darum, dass das Volk Israel das mächtigste Volk der Erde wird. Genau das zeigt auch die Geschichte. Selten hatte das Volk Israel einen selbständigen Staat. Schon früh wurde es zerstreut über die ganze Erde. Im Laufe der Geschichte mussten die Juden den Herrschern und den Völkern oft als Sündenbock für alles Mögliche herhalten und wurden verfolgt, vertrieben und ermordet. Der Völkermord durch die Nationalsozialisten ist ein grausamer Höhepunkt dieser Geschichte. Sprechen Sie darüber: Was bedeutet unter diesen Bedingungen: Erwähltes Volk Gottes?
  2. In der heutigen Lesung aus dem Römerbrief weist der Apostel Paulus darauf hin, dass Christi Tod am Kreuz eine bedingungslose Vorleistung ist. Wir nennen das Gnade. Sprechen Sie und staunen Sie miteinander darüber, was das für Ihr Leben bedeutet. Daran hängt auch die Begründung für die Kindertaufe. Bevor das Kind irgendeine Leistung vollbracht hat, wird es mit der Gnade Gottes beschenkt.
  3. Im heutigen Evangelium hören wir von der Apostelberufung und der Sendung der Apostel an die Israeliten. Die Zahl 12 ist eine symbolische Zahl. Jesus spielt auf den 12 Stämme Israels an. Symbolisch soll das erwählte Volk Israel wiederentstehen. Zurzeit Jesu ging man davon aus, dass von den 12 Stämmen Israels nur die beiden Stämme Juda und Benjamin sowie die Hälfte des Stammes Levi übriggeblieben waren. Das Verhältnis zwischen der Kirche und dem Volk Israel hat durch Papst Johannes Paul II. eine neue Bestimmung erhalten, indem er vom Volk Israel als dem älteren Bruder der Kirche spricht. Aus katholischer Sicht ist klar, dass wir denselben Gott verehren. Wir unterscheiden uns in der Bewertung der Person Jesu Christi. Christen sehen in ihm den Messias, Gottes Sohn, der Mensch geworden ist durch den Hl. Geist aus Maria, der Jungfrau. Für Juden sind diese Bestimmungen unvorstellbar. Im christlich-jüdischen Dialog hat der jüdische Philosoph Martin Buber mal gesagt: Wenn am Ende aller Zeiten der Messias kommt und Christen und Juden ihn fragen: „Warst Du schon einmal da?“ Dann werde ich ihm ins Ohr flüstern: „Sag es nicht.“ Was halten Sie von dieser Bemerkung?

Fürbitten:

V.: Jesus Christus, du menschgewordener Gott. Wir rufen zu Dir

  1. Für alle, die dein Evangelium in der Welt von heute verkünden und mit ihrem Leben bezeugen: Schenke ihnen eine große Menschenliebe. Christus, höre uns.
  1. Für die Politiker und Parteien in Israel und Palästina: Vermehre bei ihnen die Bereitschaft zu einem Frieden in Gerechtigkeit. Christus, höre uns.
  1. Für alle, die sich im christlich-jüdischen Dialog engagieren: Schenke ihnen ein hörendes Herz für die Anliegen der jeweils anderen Seite. Christus, höre uns.
  2. Für Urlauber, die in diesen Corona-Zeiten nach Schleswig-Holstein kommen: Schenke ihnen Erholung an Leib und Seele. Christus, höre uns.
  1. Für die Opfer von antisemitischer und rassistischer Gewalt in Deutschland: Trockne ihre Tränen und schenke ihnen die Teilhabe am Himmelreich Gottes. Christus, höre uns.

 

V.: Herr Jesus Christus, du bist unser Heiland und Erlöser, jetzt und in Ewigkeit. Amen

Vater Unser

Lied: 873

Schlussgebet und Segen:

Gott, unser Schöpfer,

die Gegensätze in der Welt klagen uns an:

Reichtum und Not,

Hunger und Überfluss,

Sorglosigkeit und Leid,

antisemitische und rassistische Verachtung des anderen.

Hilf du uns allen,

dass wir aufhören,

die Gegensätze zu verschärfen,

und anfangen,

einander als gute Schwestern und Brüder anzunehmen.

Amen.

Schlusslied: 386