Eucharistie – Zeichen der Nähe Gottes

 

Jesus sagt zu uns, dass wir sein Fleisch essen, sein Blut trinken sollen. Es ist ein Bild, das Jesus verwendet, wenn er so spricht. Mit dem Blick auf sein gesamtes Leben, seine gesamte Verkündigung wird das klar. Ein Bild allerdings, in dem die Botschaft der unüberbietbaren Nähe steckt, die Gott zu uns haben will. In Jesus begegnet uns Gott. Da ist er selbst Mensch geworden. Er begegnet uns in „Fleisch und Blut“, also wirklich und leibhaftig. Aber er möchte eben auch, dass wir ihn gernauso „leibhaftig“ aufnehmen. Darum spricht er davon, dass wir sein Fleisch essen, sein Blut trinken sollen. Er gibt sich uns sozusagen zu essen und kommt uns auf diese Weise nah. Er berührt uns, von innen, kommt uns so nah, wie wir uns selbst kaum sind. Wir sind hier mit einem Bild konfrontiert, dessen Tiefe wir uns kaum vorstellen können. Dass Gott uns nahekommt, als Mensch, den andere Menschen berühren und mit ihm sprechen konnten, dem Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten konnten, das an sich ist schon unglaublich. Dass ihm das immer noch nicht reicht, sondern dass er dir noch näher kommen möchte, indem du ihn wirklich in dir aufnimmst, noch viel mehr. Wer das tut, dessen Leben wird sich verändern, der wird sich selbst verändern und verwandeln.

Die Jünger haben am Gründonnerstag verstanden, dass es nicht nur ein Bild war, von dem Jesus gesprochen hat, sondern dass es diese Speise tatsächlich gibt. Sie haben begonnen, das „Herrenmahl“ zu feiern in der festen Überzeugung, dass in Brot und Wein tatsächlich Leib und Blut Jesu stecken und eine Speise sind, die wir essen können. Auch wenn die wissenschaftliche Erklärung ausbleibt, das ist bis heute ein wesentlicher Teil unseres Glaubens.

Dabei ist es nicht zufällig, dass wir gerade Brot und Wein vor Gott bringen, dass er gerade Brot und Wein wandelt, damit Jesus Christus in ihnen gegenwärtig ist. Das Brot ist eine tägliche Speise und Grundnahrungsmittel für unseren Alltag. Gleichzeitig ist es ein Nahrungsmittel, hinter dem viel Arbeit steckt. Wenn wir heute Brot und Brötchen beim Bäcker um die Ecke oder im Supermarkt kaufen, dann machen wir uns kaum bewusst, was getan werden musste, damit dieses tägliche Nahrungsmittel auf unserem Tisch landet. Auch ein guter Wein braucht einiges an Arbeit, aber er steht kaum für den Alltag und die tägliche Nahrung, sondern ist ein Getränk des Festes und der Feier.

Gott wandelt Brot und Wein, Gaben, die für das Leben stehen. Für den Alltag mit viel Mühe und Last genauso wie für das Fest mit der Freude und dem Glück. Unser ganzes Leben soll durchdrungen werden von Gottes Gegenwart. Dafür stehen die Gaben, aber das wird dann besonders deutlich, wenn es eben diese Gaben sind, die wir durch Essen in uns aufnehmen.

Das heißt aber auch, dass alles, was unser Leben prägt auch hier seinen Platz hat. Gott will dir begegnen und dich verwandeln. Nich einem „frommen Abziehbild“, das den Anschein weckt, perfekt zu sein, sondern dir, mit allem, was dich ausmacht. Gerade auch mit den dunklen Seiten des Lebens, mit Leid und Not, mit Schuld und Fehlern und Schwächen, mit unseren Schwierigkeiten und allem, was schiefläuft, stehen wir vor ihm. Und er will, dass wir ihn aufnehmen, damit er alles das ebenso wandelt wie Brot und Wein und unser Leben ein Ort seiner Gegenwart wird.

     Pastor Peter